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Das Verständnis der NS-Gesellschaft aktualisieren

Der Verein ist hier nicht durchgestrichen. Das heißt, er bestand nach 1933 weiter – anders als beispielsweise der Kommunistische Jugendverband (KJVD), den Du darunter findest. Der KJVD wurde 1933 verboten, etliche Mitglieder wurden verfolgt. Jüdische Organisationen, wie die Kölner Zionistische Vereinigung, wurden erst später verboten – wenngleich ihre Mitglieder auch vorher schon antisemitischen Angriffen ausgesetzt waren. Viele nicht-jüdische Vereine gab es hingegen weiterhin, sie wurden »gleichgeschaltet«.

Aber was hieß das zum Beispiel für die »Roten Funken«? Was meinst Du?

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02: Was hieß Gleichschaltung
Fragen

In der Tat kontrollierten Ausschüsse den Bau der Wagen für die Rosenmontagszüge. Falsch ist hingegen, dass nur noch NSDAP-Mitglieder in den Vorstand gewählt werden konnten. Das Regime schrieb 1933 noch nicht vor, jüdische Mitglieder auszuschließen, viele Vereine taten das aber von sich aus. Kritik am Regime wurde auf Mitgliederversammlungen teils vehement geäußert.

Die Vereine wurden keiner NS-Organisation angeschlossen, aber ihre übergeordneten Gremien, das Festkomitee und der Bürgerausschuss, wurden in einem Dachverband, dem »Kölner Verkehrsverein«, zusammengefasst, der eng mit der NSDAP verbunden war.

Sieh Dir eine oder mehrere Geschichten aus dem Vereinsleben der »Roten Funken« an.

Otto Fey (hier links), 1929

Da Grohé kein Ticket erworben hatte, verweigerte Fey ihm zum Rosenmontagsball 1934 den Einlass. Daraufhin schlug dieser ihm mehrere Zähne aus.

Fey beschwerte sich mehrfach über Josef Grohé – und zwar direkt bei der Parteileitung.

Brief Otto Feys an Rudolf Heß, 7.9.1934

Gegenüber Rudolf Heß, dem Stellvertreter Adolf Hitlers, beklagte er in einem Brief: Es könne kaum im Sinne Hitlers sein, dass so mit einem »Volksgenossen« umgegangen werde.

Die Situation beruhigte sich erst, als der Verein selbst eine Abfindung an sein geschädigtes Mitglied zahlte.

Hermann Ihle, undatiert

Das Verhältnis des Vereins zum Nationalsozialismus war schon vor der »Gleichschaltung« ein zentraler Streitpunkt unter den Mitgliedern. Der »Funk« Hermann Ihle, bereits seit 1932 Ortsgruppenleiter der NSDAP, beanspruchte nach der »Machtergreifung« eine Führungsposition im Verein. Im September 1933 wurde er in den Vorstand gewählt.







Hermann Ihle an den amtierenden Präsidenten der »Funken«, Jupp Morher, 11.5.1934

Als Ihle 1934 Jupp Morher und andere Mitglieder mehrfach scharf attackierte, blieb ihm nicht nur eine Führungsposition verwehrt, er wurde auch wieder aus dem Vorstand gewählt. Mitglied der »Funken«  blieb Ihle trotzdem.







Wilhelm Schneider-Clauß, undatiert

Das Verhältnis des Vereins zum Nationalsozialismus war schon vorher ein zentraler Streitpunkt unter den Mitgliedern. Bereits im März 1933 war der 1. Vorsitzende, Wilhelm Schneider-Clauß zurückgetreten – aufgrund des »Geschrei[s] der Partei« bei den Vereinssitzungen. Nationalsozialistische Ansprüche und Vereinswerte gerieten immer wieder in Konflikt. Nicht zuletzt deshalb wechselten die Präsidenten der »Funken« bis 1935 jährlich.

Satzung des Festausschusses, verabschiedet am 5.6.1935

1935 gründeten die großen Karnevalsvereine den »Festausschuss des Kölner Karnevals«, um einer Unterordnung unter eine Parteiorganisation zu entgehen. Der Festausschuss organisierte die zentralen Karnevalsumzüge und war befugt, die Vereine anzuweisen. Die neue Satzung des Ausschusses enthielt nun einen »Arierparagraphen«. Sie verpflichtete die Karnevalsvereine unter anderem, nur noch »arische« Mitglieder aufnehmen.

Stellungnahme der Roten Funken zur Gründung des Festausschusses, 24.5.1935

Zwar protestierten die »Roten Funken« gegen Bestimmungen der neuen Satzung – allerdings gegen die Zentralisierung und touristische Ausrichtung des Karnevals. Der »Arierparagraph« blieb unkommentiert. Neu waren die Forderungen für den Verein auch keineswegs: Bereits Mitte der 1920er Jahre hatten die »Roten Funken« eigeninitiativ die Aufnahme von Juden als aktive Mitglieder begrenzt. Mindestens zwei jüdische Mitglieder nahmen jedoch auch danach noch aktiv am Vereinsleben teil.

Auch die künftige Dauerausstellung des NS-DOK wird eine solche Perspektive auf den Nationalsozialismus einnehmen.

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