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Propaganda erklären

Die kurze Beschriftung gibt dem Foto einen Kontext: Anlass, Ort, Zeit. Aber weißt Du, was ein Kreisparteitag der NSDAP war und was hier passierte?

Du kannst mehrere Antworten auswählen.

04_Was war ein Kreisparteitag?
Fragen

Richtig ist: NS-Funktionäre hielten Reden und NS-Organisationen hielten Paraden ab. Außerdem gab es ein Freizeitprogramm. Die »Toten der NS-Bewegung« wurden geehrt und abends fand ein Fackelzug statt. Gleichzeitig fuhren beleuchtete Schiffskonvois über den Rhein.

Falsch ist, dass Hitler immer zu Besuch kam. Manche der Programmpunkte waren kostenpflichtig.

Beim Kreisparteitag 1935 war die lokale Prominenz der NSDAP in der Stadt präsent. Hier sind u.a. der Gauleiter Josef Grohé und der Kölner Polizeipräsident und SA-Führer Walter Hoevel zu sehen.
Diese Anstecker konnten Kölner*innen als Erinnerung an den Kreisparteitag kaufen. Damit konnten sie eine Ansprache von Josef Grohé an NS-Organisationen, Vereine und Verbände – den sogenannten Generalappell – gratis anhören.
Die NS-Presse rief die Stadtbevölkerung vorab zum Kauf der Anstecker auf. Außerdem sollten die Kölner*innen ihre Häuser grün schmücken, Fahnen heraushängen und abends die Wohnungen hell erleuchten.
Die Presse war anwesend und machte eine Vielzahl von Fotos, die in den folgenden Tagen verbreitet wurden.

Schließlich kann das Foto vom Kreisparteitag auch genutzt werden, um zu zeigen, dass diese Veranstaltungen Ausnahmesituationen im Alltag der 1930er Jahre waren.

Hier siehst Du das gleiche Foto zusammen mit einer weiteren Aufnahme, die den Veranstaltungsort vor dem Opernhaus an einem gewöhnlichen Tag im Nationalsozialismus zeigt.

So lässt sich schnell erkennen, wie die Stadt alltäglich aussah und dass sie nur zu besonderen Anlässen geschmückt und beflaggt war.

Die Frage, wie NS-Propaganda präsentiert werden kann, ohne sie zu bestärken oder zu bestätigen, treibt Ausstellungs- und Filmemacher-, Künstler- und Lehrer*innen seit Jahrzehnten um.

Hier kannst Du Dir zum Abschluss anschauen, wie andere Erinnerungsorte und Museen mit Propaganda-Material umgehen.

Propaganda-Fotos sind in der Dokumentation Obersalzberg mit Fotos der nationalsozialistischen Verbrechen kontrastiert.
In diesem Raum, in dem Du stehst, ist eine Hakenkreuzflagge so drapiert, dass das Hakenkreuz nicht ganz zu erkennen ist – so, als sei sie achtlos hingelegt worden.
Auf den Kopf gedreht entwickelt ein Hitlerporträt im Kölnischen Stadtmuseum kaum mehr die Wirkung, die es im Nationalsozialismus haben sollte.
In der KZ-Gedenkstätte Buchenwald finden Besucher*innen NS-Symbole nicht auf Augenhöhe vor, sondern so, dass sie auf die Objekte in niedrigen Vitrinen herabschauen.
In der Wewelsburg, einem ehemaligen Schulungszentrum der SS, findet sich auf dem Boden eines Saals ein großes Symbol der völkischen Esoterik, eine »Schwarze Sonne«. Der Raum ist als Lernort umfunktioniert und das Symbol durch Sitzsäcke immer wieder neu verdeckt.
Das Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände in Nürnberg unterläuft die Verherrlichung von Hitler: Im Hintergrund einer Hitler-Büste sieht man, wie Frauen diese Objekte als Massenware produzieren.