Dieses Foto siehst Du im Ausstellungsraum als eine großflächige Abbildung. Das Foto und auch die hervorgehobenen Elemente…
- die Fahnen
- die Zuschauer*innen
- die marschierenden Männer
- die Ehrentribüne
… werden nicht erläutert. Das ist problematisch.
Bestimmt erinnert Dich dieses Bild an viele andere Fotos, die Du aus der NS-Zeit gesehen hast.
Sie alle stammen von Festen und Großveranstaltungen des NS-Regimes und haben gemein, dass sie ein Idealbild der nationalsozialistischen Gesellschaft entwerfen.
Dieses Selbstbild wurde bei zahlreichen Anlässen beständig erneuert und durch millionenfache Foto- und Filmaufnahmen verbreitet. Bis heute prägen diese Bilder die Wahrnehmung der NS-Diktatur.
Werden diese Bilder wie hier in der Ausstellung unkommentiert gezeigt und nicht als idealisierte Selbstdarstellung erkennbar gemacht, legen sie falsche Annahmen nahe: Sie können als Abbild der Wirklichkeit im Nationalsozialismus verstanden werden.
Aber die Gesellschaft im Nationalsozialismus war keine harmonische Einheit, die geschlossen hinter der Führung stand.
Erst mit Informationen zum Kontext wiederholt das Foto die Selbstdarstellung des NS-Regimes nicht einfach, sondern kann zum Verständnis der NS-Diktatur beitragen. Das kann auf unterschiedliche Weise geschehen.
Eine Möglichkeit ist es, das Foto so abzudrucken, wie es sich in unserer Sammlung befindet. Damit wird der Blick weniger auf den ästhetischen Bildaufbau gelenkt, sondern die Aufnahme vor allem als Quelle sichtbar.

Das Foto ist im Original natürlich viel kleiner als im Ausstellungsraum – etwa so groß wie eine Postkarte – und klebt auf braunem Karton.
Es zeigt eine Parade vor dem Opernhaus am heutigen Rudolfplatz in der Kölner Innenstadt. Dieser Aufmarsch bildete den Abschluss des Kreisparteitages der NSDAP im Sommer 1935. Die Aufnahme hat Helmut Koch angefertigt, der in den 1930er Jahren als Bildjournalist für bekannte Kölner Zeitschriften tätig war.
Es ist nicht das einzige Bild, das Helmut Koch von diesem Aufmarsch vor der Oper gemacht hat.
Seine Fotos sind Teil einer dokumentarischen Bildkartei aus den 1930/40er Jahren, die vermutlich der langjährige Direktor des Hauses der Rheinischen Heimat (später Kölnisches Stadtmuseum) angelegt hat. Der Fotograf Helmut Koch muss seine Fotos also vervielfältigt und der Direktor sie als so wichtig erachtet haben, dass er sie – wie Hunderte weitere Bilder – auf einen Karton aufgeklebt und mit (teils unrichtigen) Informationen zum Motiv und Fotografen versehen hat.
Sieh Dir nun die Vitrine rechts von dem großen Foto an. Hier ist das gleiche Foto vom Kreisparteitag noch einmal als Fotoabzug präsentiert: mit dem Ausstellungstext »Aufmarsch vor der Oper beim Gauparteitag 1935« (korrekt: Kreisparteitag).
Die kurze Beschriftung gibt dem Foto einen Kontext: Anlass, Ort, Zeit. Aber weißt Du, was ein Kreisparteitag der NSDAP war und was hier passierte?
Du kannst mehrere Antworten auswählen.
Richtig ist: NS-Funktionäre hielten Reden und NS-Organisationen hielten Paraden ab. Außerdem gab es ein Freizeitprogramm. Die »Toten der NS-Bewegung« wurden geehrt und abends fand ein Fackelzug statt. Gleichzeitig fuhren beleuchtete Schiffskonvois über den Rhein.
Falsch ist, dass Hitler immer zu Besuch kam. Manche der Programmpunkte waren kostenpflichtig.
Damit Fotos von NS-Veranstaltungen nicht allzu vereinfachende Vorstellungen der NS-Gesellschaft erzeugen, könnte das Foto vom Kreisparteitag 1935 auch mit weiteren Materialien kombiniert werden, die zeigen, was ein NSDAP-Kreisparteitag eigentlich war.
Schließlich kann das Foto vom Kreisparteitag auch genutzt werden, um zu zeigen, dass diese Veranstaltungen Ausnahmesituationen im Alltag der 1930er Jahre waren.
Hier siehst Du das gleiche Foto zusammen mit einer weiteren Aufnahme, die den Veranstaltungsort vor dem Opernhaus an einem gewöhnlichen Tag im Nationalsozialismus zeigt.
So lässt sich schnell erkennen, wie die Stadt alltäglich aussah und dass sie nur zu besonderen Anlässen geschmückt und beflaggt war.
Die Frage, wie NS-Propaganda präsentiert werden kann, ohne sie zu bestärken oder zu bestätigen, treibt Ausstellungs- und Filmemacher-, Künstler- und Lehrer*innen seit Jahrzehnten um.
Hier kannst Du Dir zum Abschluss anschauen, wie andere Erinnerungsorte und Museen mit Propaganda-Material umgehen.
Setze den Gang durch die Ausstellung im 2. Stock fort. Dort geht es direkt weiter mit einer problematischen Hakenkreuz-Abbildung.
Bildnachweis:
1: Raumansicht © privat; 2. Parade vor der Oper anlässlich des NSDAP-Kreistags in Köln am 4. August 1935 © NS-DOK; 3. Aufmarsch der SA in Nürnberg, 1934 © Bundesarchiv, Bild 183-K0326-0503-003 / CC-BY-SA 3.0; 4. Aufmarsch Kreis V Berlin 1936 © Bundesarchiv, Bild 183-2004-0812-500 / CC-BY-SA 3.0; 5. Reichsparteitag 1934 © Bundesarchiv, Bild 183-2004-0312-504 / CC-BY-SA 3.0; 6. Totenehrung beim Reichsparteitag 1934 © Bundesarchiv, Bild 102-04062A / Georg Pahl / CC-BY-SA 3.0; 7. Kundgebung im Berliner Lustgarten 1936 © Bundesarchiv, B 145 Bild-P022058 / CC-BY-SA 3.0; 8.-10. Parade vor der Oper anlässlich des NSDAP-Kreistags in Köln am 4. August 1935 © NS-DOK; 11. Ausstellungsansicht NS-DOK © Rheinisches Bildarchiv, rba_d003249; 12. Kreistag der NSDAP am 4. August 1935 © NS-DOK Bp 7143; 13. Abzeichen Kreistag 1935 in Köln © privat; 14. Westdeutscher Beobachter, 02.08.1935; 15. Westdeutscher Beobachter, 04.08.1935; 16. Parade vor der Oper anlässlich des NSDAP-Kreistags in Köln, 04.08.1935 © NS-DOK; 17. Altes Opernhaus am Rudolfplatz 1934 © NS-DOK; 18. Ausstellungsansicht Dokumentation Obersalzberg © Dokumentation Obersalzberg / Kradisch; 19. Ausstellungsansicht NS-DOK © privat; 20. Ausstellungsansicht Kölnisches Stadtmuseum © privat; 21. Ausstellungsansicht in der KZ-Gedenkstätte Buchenwald © Claus Bach, Sammlung Gedenkstätte Buchenwald; 22. Ausstellungsansicht im Kreismuseum Wewelsburg © Kreismuseum Wewelsburg / Fotografin: Lina Los; 23. Ausstellungsansicht im Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände © Stefan Meyer / Dokumentationszentrum Reichsparteitagegelände











