In den letzten drei Räumen, durch die Du gegangen bist, erzählt die Ausstellung, wie Jüdinnen und Juden in Köln schrittweise entrechtet, verfolgt und ermordet wurden. Nicht deutlich wird jedoch, welche aktive Rolle die Gestapo hierbei spielte und welche Bedeutung dieses Haus im Mordgeschehen hatte.
Wir zeigen Dir hier drei Ausstellungsstücke noch einmal, die Du vielleicht schon aus den letzten Räumen kennst.
Daran erzählen wir Dir etwas Entscheidendes, was bisher fehlte: wie die Gestapo-Beamten des Referats »Juden, Ein- und Ausbürgerungen«, die hier im zweiten Stock des EL-DE-Hauses ihre Schreibtische hatten, die Verfolgung und Vernichtung der jüdischen Bevölkerung Kölns und des Umlands mit vorantrieben.
In den Tagen um den 9. November 1938 wurden reichsweit jüdische Gotteshäuser, Friedhöfe, Geschäfte und Wohnungen zerstört, mehrere hundert Jüdinnen und Juden ermordet. Während und nach dieser »Reichspogromnacht« war es die Gestapo, die die Ausschreitungen beaufsichtigte, Hunderte jüdische Kölner in das KZ Dachau verschleppte und den Besitz der jüdischen Gemeinden beschlagnahmte, wie hier in der Synagoge in der Glockengasse.
Seit dem Frühjahr 1941 organisierten Gestapo-Beamte, dass Jüdinnen und Juden auch in Köln systematisch aus ihren Wohnungen in spezielle »Judenhäuser«, wie hier in der Cäcilienstraße 18-22, und in ein großes Internierungslager in Köln-Müngersdorf eingewiesen wurden.
Die Gestapo war es auch, die schließlich die Deportationen aus Köln in die Ghettos und Vernichtungslager in besetzten Gebieten Polens und des Baltikums organisierte: Die Beamten ermittelten die Menschen, die deportiert werden sollten. Sie sorgten dafür, dass sich die Kölner Jüdinnen und Juden an der Messe in Deutz einfanden, beschlagnahmten hier ihr letztes Vermögen und überwachten die Transporte.
Die Gestapo war weitaus stärker an den Verbrechen an den Kölner Jüdinnen und Juden beteiligt, als in der Ausstellung bislang deutlich wird. Ähnlich ist es mit Verbrechen an ausländischen Zwangsarbeiter*innen, die Dir später noch begegnen werden. Gerade am Ende des Krieges eskalierte die von der Gestapo ausgeübte Gewalt: Allein in den letzten Kriegswochen ermordete sie hinter dem EL-DE-Haus willkürlich mehrere Hundert Menschen, vor allem Zwangsarbeiter*innen.
Bildnachweis:
1. Raumansicht © NS-DOK; 2. Synagoge in der Glockengasse © Rheinisches Bildarchiv rba_137810; 3. Haus in der Cäcilienstraße 18-22 © Rheinisches Bildarchiv rba_004671; 4. Deportationen von Köln ins Ghetto Łódź © NS-DOK