Sieh Dich um! Findest Du einen Zettel mit der Aufforderung »Deutschland Erwache!«? Schau auch auf Hüfthöhe.
Der Zettel ist ohne weitere Informationen ausgestellt. So kann man nur mutmaßen, was es mit ihm auf sich hat.
Ausstellungsmacher*innen bereiten Quellen für die Präsentation im Museum auf und entscheiden, ob oder wie sie mit Informationen versehen werden. Teilweise werden sie auch bearbeitet. So werden z. B. Fotos vergrößert oder beschnitten.
Oft besonders stark bearbeitete Quellen sind Zeitzeug*innen-Interviews.
Gehe zur Medienstation »SPD und Gewerkschaften«. Hier werden Ausschnitte aus einem Interview mit dem Gewerkschafter Willi Schirrmacher gezeigt. Zwei Interviewer befragten ihn wahrscheinlich im Jahr 1980 zu seinen Erfahrungen im Nationalsozialismus. Sieh Dir den ersten Ausschnitt »Vor 1933« in der Station oder hier an!
Die beiden Versionen machen Unterschiedliches deutlich: Was Willi Schirrmacher in welcher Reihenfolge erzählt und wie er spricht, zeigt die unbearbeitete Fassung. Die geschnittene Version ermöglicht dagegen, schnell wichtige biografische Daten zu Schirrmachers politischer Laufbahn zu erfassen.
Welchen Clip hast Du Dir lieber angesehen?
Das sagt Ihr:
Wenn Du mehr darüber erfahren willst, wie das Interview ablief:
Wenn Dich eher interessiert, wieso das Ausstellen von Interviews eine Herausforderung ist, scrolle direkt weiter.
Interviews sind wichtige Quellen, um Erfahrungen von Menschen zu zeigen und gerade Verfolgten eine Stimme zu geben. Gleichzeitig sind sie besonders schwierig auszustellen, weil sie oft sehr lang sind und auch Erzählungen aus anderen Kontexten enthalten, etwa aus dem Privatleben der Zeitzeug*innen.
Wenn sie geschnitten werden, entstehen allerdings neue Zusammenhänge und der ursprüngliche Kontext ist oft nicht mehr nachvollziehbar.
»Die angemessene Präsentation von Zeitzeugen-Interviews ist nicht nur eine Frage des Respekts, sondern auch eine der Quellenkritik. […] Der Anspruch eines biografischen und quellengerechten Umgangs mit ihnen gerät allerdings regelmäßig in Konflikt mit der begrenzten Zeit, die im Rahmen eines Ausstellungsrundgangs für ein Interview zur Verfügung steht.«
Cord Pagenstecher, Historiker
Immer öfter erklären Museen, wie sie mit Quellen umgehen oder laden die Besucher*innen ein, in den Ausstellungen selbst mit ihnen zu arbeiten.
Worüber würdest Du in Zukunft gerne mehr erfahren?
Mehrere Antworten sind möglich.
Das sagt Ihr:
Setze den Gang durch die Ausstellung fort. In den Räumen zum Krieg befindet sich die letzte thematische Station.
Bildnachweis:
1. Raumansicht © Rheinisches Bildarchiv, rba d018325-24; 2. & 6. Raumansicht © NS-DOK; 3. & 5. Landesarchiv NRW, Abteilung Rheinland, Ger. Rep. 112, Nr. 4459; 4: Theodor-Heuss-Ring 1935 © NS-DOK; 7. & 8. Raumansicht © NS-DOK; 9. Disketten mit Video-Interviews © NS-DOK; 10. Zeitzeugen-Interviews in der Gedenkstätte Bergen-Belsen © COPYRIGHT ERGÄNZEN; 11. Ausstellungsansicht Dokumentation Obersalzberg © Dokumentation Obersalzberg / Kradisch; 12. Ausstellungsansicht »Ausgeschlossen«, Dokumentationszentrum NS-Zwangsarbeit © Dokumentationszentrum NS-Zwangsarbeit; L. Sommerfeld; 13. Ausstellungsansicht »trotzdem da!« © NS-DOK / Jörn Neumann; 14. Ausstellung »Schule im Nationalsozialismus« mit Lernlabor © Stephan Minx/Dokuzentrum Reichsparteitagsgelände
Interview:
Video-Interview mit Willi Schirrmacher, Interviewer: Dr. Peter von Rüden, Dr. Wilfried Schmid, © Adolf Grimme Institut / NS-DOK







