An dieser Stelle war ein Bild von drei Männern zu sehen, das vermutlich in Belarus entstanden ist. Sie hängen an einem Galgen, ihre Arme sind hinter ihrem Rücken gefesselt und sie sind wahrscheinlich bereits tot. Das Foto ist so aufgenommen, dass man zwei der Gesichter sehen kann.
Wer die Ermordeten sind, wissen wir jedoch nicht. Auch warum sie erhängt wurden und wer die Täter waren, können wir nicht mehr sagen. Sicher ist, dass jemand ihren Tod bewusst mit der Kamera festgehalten hat.
Wir haben uns entschieden, dieses Bild zu verdecken. Denn es zeigt Opfer eines Gewaltverbrechens in entwürdigender Weise. Und uns fehlen die nötigen Informationen, um das Bild einzuordnen.
Lange setzten Ausstellungsmacher*innen zum Nationalsozialismus darauf, Besucher*innen mit drastischen Fotos zu erschüttern – auch weil die nationalsozialistischen Verbrechen zum Teil noch nicht bekannt waren oder abgestritten wurden.
Bilder von Gewalttaten hatten eine Beweis- und Aufklärungsfunktion, wie hier bei der ersten »Wehrmachtsausstellung« 1997 in München.
In den letzten Jahren hat sich der Blick auf historische Fotos gewandelt, besonders, wenn sie gewaltvoll sind: Fotos werden viel weniger als Abbilder der Vergangenheit verstanden, die einfach für sich sprechen.
Sie müssen stattdessen gedeutet werden: Denn Menschen haben sie in konkreten Situationen zu einem bestimmten Zweck gemacht. Und dies prägt das Motiv.

Zudem ist bei gewaltvollen Fotos die Würde der Opfer stärker ins Bewusstsein getreten: Für solche Bilder wurden Personen unfreiwillig in menschenverachtende Situationen und Positionen gebracht. Und sie können nicht selbst entscheiden, ob die Fotos von ihnen verbreitet werden sollen.
Aber auch die Betrachter*innen von Gewaltbildern rücken zunehmend in den Blick: Überforderung und Schock lösen nicht einfach Empathie mit den Opfern aus. Vielmehr können sie verunsichern: Ohne Informationen werden Betrachter*innen mit der Frage alleine gelassen, wie die Gewalt einzuordnen ist und welche Reaktionen darauf angemessen sein könnten.
Ob und wie gewaltvolle Fotos (noch) gezeigt werden können, ist inzwischen eine ziemlich schwierige Frage.
Hier und in den umliegenden Räumen finden sich weitere Gewaltdarstellungen, die wir nicht verdeckt haben. Einigen von ihnen kannst Du hier noch einmal begegnen. Du siehst die Fotos aber verschwommen und mit einordnenden Informationen versehen. Mit dem Schieberegler kannst Du entscheiden, ob und wie weit Du die Bilder aufdecken willst.
Entscheide Du: Was würdest Du verdecken? Und was muss weiter gezeigt werden? Scrolle direkt weiter, wenn Du die Bilder nicht sehen willst.
Möchtest Du uns noch etwas zu Deinen Entscheidungen sagen? Was geht Dir bei dem Thema durch den Kopf?
Danke!
Was braucht es aus Deiner Sicht, wenn Gewaltdarstellungen im Museum gezeigt werden?
Du kannst auch mehrere Antworten auswählen.
Das sagt Ihr:
Danke für Dein Interesse! Alle Ergebnisse der Abstimmungen findest Du auf dem Rückweg zum Treppenhaus im Flur .
Bildnachweis:
1. Montage in der Ausstellung © NS-DOK;2. Besucher*innen der »Wehrmachtsausstellung« in München 1997 © dpa 498465965; 3. Ein Verfolgter wird kurz vor seiner Deportation aus Würzburg zwangsweise fotografiert © Staatsarchiv Würzburg, Gestapostelle Würzburg 18880 a, Foto Nr. 19; 4. Ausstellung »Was erzählen Fotografien?« im Museum Berlin Karlshorst © Museum Karlshorst; 5. Triggerwarnung zu Gewaltdarstellungen im Rautenstrauch-Joest-Museum © Raimond Spekking / CC BY-SA 4.0; 6. Exekution des Kölners Max Hertz am 21. Februar 1942 im Ghetto Łódź © YIVO RG 241-1088-6;7. Toter Wehrmachtssoldat an der Ostfront © NS-DOK; 8. Köln nach einem Bombenangriff, um 1944/1945 © NS-DOK 9. Hinrichtung in der Hüttenstraße am 25.10.1944, Köln (Foto: Julius Radermacher) © LAV NRW R, Ger. Rep. 248/67, Bild 11



